venus-von-milo-focus20. März 2010 - Manfred Hoffmann

Flachmänner und die Venus von Milo
Das Eigenleben des Schweizer Franken

Wenn Biertisch, Boulevard und Politik sich treffen, kommt selten etwas Gutes dabei heraus.

Ein deutscher Finanzminister hat europäischen Nachbarstaaten bereits mit der Kavallerie gedroht. Nicht im vergangenen Jahrhundert, nein im Jahre 2009 nicht lange vor seiner Abwahl: "die siebte Kavallerie in Fort Yuma, die man auch ausreiten lassen kann". Ausrücken müsse Sie nicht unbedingt, fügte er milde gestimmt hinzu: "die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt." Gezielt war das Ganze auf die Schweiz, die auf eine schwarze Liste sollte.
Ja die liebe Schweiz: ein von der Natur verwöhntes Land und weltweiter Ausflugsort.
Wer tummelt sich da nicht alles in der Nachbarschaft eines ehemals hochverehrten Weltmeisters der röhrenden Motoren und qualmenden Reifen. Diese Schweizer tun nun etwas Unerhörtes. Sie lassen ihre Gäste das tun, was weltweit üblich ist: Konten einrichten, auf die auch noch Geld eingezahlt wird.

Keine Frage das Recht Recht bleiben muss. Dummerweise gibt es auf der Welt noch kein Einheitsrecht. Das ist vielleicht gut so, wenn auch gelegentlich schmerzlich. Das Schweizer Recht würdigt den hierzulande ruchbaren Tatbestand der Steuerhinterziehung eben anders als das deutsche Rechtssystem.


Was machen wir nun, wenn in Amerika oder China ein Mensch zum Tode verurteilt und hingerichtet wird? Welche Möglichkeit haben wir, dort zu verhindern, was hier ungesetzlich ist. Welche Möglichkeiten haben die, bei denen andere Gesetze gelten, uns zum Befolgen ihres Rechts zu zwingen?

Amerika und China sind weit und sehr groß. Griechenland liegt näher, ist kleiner und wir speisen mit den Griechen am großen Tisch der Europäischen Union.
Plötzlich ist, wie üblich,  eine für uns alle prekären Situation einfach so vom Himmelgefallenen. Dazu fällt jenen, die sonst lautstark nach Fakten rufen, als Krisenlösung nur ein, das Familienmitglied Griechenland ganz gezielt und öffentlich als Betrüger anzuprangern.

Deutsche sind Deutsche, Franzosen sind Franzosen, Italiener sind Italiener und Griechen sind eben Griechen. Das ist weitaus länger bekannt, als alle deutsche Publikationen sich ihrer Existenz rühmen können.

Dass diese Unterschiede den Architekten des europäischen Hauses nebst den Familienoberhäuptern und ihren mit Steuergeld finanzierten Stäben erst jetzt auffallen, zeugt nicht gerade von Professionalität und Weitsichtigkeit. Griechen haben über die Jahrtausende viel zuwege gebracht, den Euro aber haben sie nicht erfunden. Demnach sind sie auch für die Geburtsfehler, die dieser Währung immer wieder bescheinigt worden sind, nicht im Geringsten verantwortlich.

Jetzt ganz plötzlich tritt zu Tage, dass ein kleines Gebiet mit knapp 132.000 Quadratkilometern (ein gutes Drittel der Bundesrepublik Deutschland) und mit 11 Millionen Menschen (weniger als die Einwohnerzahl von Berlin und Paris zusammen) über das Schicksal der Währung von 16 Ländern entscheidet. Da müssen sich wohl ganz Andere vor dem hohen Gericht der Zeitgeschichte verantworten. Die Griechen wären allenfalls als Kronzeugen zu laden, zur Aufhellung der Frage, wie so etwas überhaupt möglich werden konnte.

Haltet den Dieb, die journalistische Recherche setzt ja oft erst dann ein, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Den besorgten Lesern hätte mit gut fundierter Recherche über die Tücken des Euro im Besonderen und des Geldwesens im Allgemeinen viel sachdienlicher geholfen werden können. Womit wir wieder bei der Schweiz wären.
Völlig frei jeder krimineller Energie hinsichtlich des beliebten Schwarzgeldthemas hätte daraufhin gewiesen werden können, dass die Schweiz mit ihrer eigenen Währung von dem Disaster weniger betroffen ist. Insofern käme der stabilere Schweizer Franken als Notgroschen für den Fall des Euro-Knockouts in Frage. Es gibt ja auch noch den Dollar als Ersatzwährung werden viele sagen. Aber der hat seine eigenen Schwierigkeiten.

Statt Betrugsgeschrei wäre dies eine probate Empfehlung für die Leser gewesen:

►  Achtung liebe Leser, der Euro und damit euer Geld, wird (noch mehr) Probleme
      bekommen - genauer: mit großer Wahrscheinlichkeit an Wert verlieren.

►  Sichern Sie sich ab (sofern Sie gerade mehr Euro besitzen, als Sie für die unmittelbare
      Zukunft benötigen).

►  Tauschen Sie diese Euro in Schweizer Franken um oder

►  kaufen Sie Papiere, die kurzfristig an Wert gewinnen, wenn der Euro im Verhältnis zum
      Schweizer Franken fällt. Sie haben ja sonst auch Versicherungen, die Ihnen alle
      möglichen Schäden ersetzen.

► Tauschen Sie diese Gewinne (zumindest teilweise) in Edelmetalle (Gold und Silber) um.

Es darf getrost davon ausgegangen werden, dass genau dies die "Großen" der Geldbranche  tun.

Schauen wir uns an, was geschehen wäre, wenn die Leser und Leserinnen diese Strategie  auch befolgt hätten.

Am 22. Februar 2010 (Erscheinungstag des Artikels) war der Euro 1,4629 Schweizer Franken Wert, oder anders herum: ein Schweizer Franken kostete 0,6836 Euro.
10.000 Schweizer Franken (CHF) hätten uns 6.836 Euro gekostet.
Für 10.000 Euro hätten wir 14.629 Schweizer Franken bekommen bekommen.

Knapp einen Monat später ergibt sich folgendes Bild:

Datum CHF CHF/EUR EUR/CHF Wert EUR
22.02.2010 10.000 0,6836 1,4629 6.836
20.03.2010 10.000 0,6966 1,4356 6.966



Gewinn 130 2%
Datum CHF CHF/EUR EUR/CHF Wert EUR
22.02.2010 14.629 0,6836 1,4629 10.000
20.03.2010 14.629 0,6966 1,4356 10.190



Gewinn 190 2%

Der Schweizer Franken hätte also Schutz gegen einen Zweiprozentigen Wertverlust des Euro (allein innerhalb eines Monats!) geboten.

eur-chf
Quelle: comdirect bank AG
Das war erst der Anfang!

Nachtrag August 2011:
Den Euro sehen wir Ende August bei 1,17 gegenüber der Schweizer Währung, nachdem er zeitweise auf 1,03 abgerutscht war.

EUR-CHF-2011-08-31

Datum CHF CHF/EUR EUR/CHF Wert EUR %
22.02.2010 14.629 0,6836 1,4629 10.000
31.08.2011 14.629 0,8644 1,1569 12.645
555 Tage
 Gewinn 2.645 26,45%
1 Jahr

1.716 17,16%
1 Monat

143 1,43%

Nachtrag 09.September 2011:
Das Wunder von Zürich!
Der Schweizer Franken wird eingefroren.
1,20 Euro: tiefer gehts nimmer sagt die Schweizer Notenbank am 06.09.2011.
»»» Eine heilige Kuh wird geschlachtet.

CHF-EUR-Manipulation-Notenbank

Gold

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Tipp: stressfrei reich werden und reich bleiben
Bildquellen: Focus Nr. 8 vom 22. Februar 2010 und  Fotolia.com