Langzeitfalle27. Januar 2007 - Manfred Hoffmann - auch heute noch hoch aktuell
Vorsicht bevor Ihr Geld in der Langzeitfalle verschwindet

Die Langzeitfalle ist eines der größten Übel für private Anleger. Das Riesenproblem: niemand kann die Zukunft vorhersagen. Deswegen wird beim Geschäft mit dem Geld und beim Zugriff auf unseren Geldbeutel immer und in größter Ausführlichkeit die Vergangenheit bemüht...

Den Pisa gebeutelten Deutschen wurde zu Jahresbeginn wieder eines vor Augen gehalten. Die Nation beherbergt auf einem weiteren Gebiet ausgesprochene Tiefflieger. Die harte Diagnose: Analphabeten in Sachen Geld. Dererlei Publikumsbeschimpfung hat schon Tradition. Sobald wieder einmal Zahlen veröffentlicht werden, rauscht es im Blätterwald. Im letzten Jahr (2006) ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland um 500.000 weiter geschrumpft hat das Deutsche Aktieninstitut herausgefunden(*). Nur noch 10,3 Millionen Menschen in diesem Lande besitzen Aktien oder Fondsanteile. Im Fachjargon nennt man das vornehm „Zurückhaltung der Privatanleger“. Im Klartext ist damit aber gemeint: die Leute sind ausgesprochen blöd. Denn die Fachleute wissen - der Deutsche Aktienindex (DAX) hat im Jahr 2006 rund 22 Prozent zugelegt.

Was für ein Irrsinn, die hart erarbeiteten Euro auf das Sparkonto einzuzahlen. Festgeld, Anleihen, Schatzbriefe und Co. sehen unterm Strich ebenfalls alt aus. Die Ursache für dieses eklatante Fehlverhalten ist auch immer schnell ausgemacht. Die gebrannten Kinder scheuen das Feuer. Anno 2000 in den Jahren der New Economie, boomendem Neuen Markt und Interneteuphorie konnten sie angeblich den Hals nicht voll genug kriegen und sind jämmerlich abgestürzt. Nun haben sie sich schmollend aus dem Aktiengeschäft zurückgezogen. Soweit die gängige Philosophie.

Dass die Dinge möglicherweise völlig anders liegen und die gutgläubigen Anleger in offene Messer dilettantischer Ratgeber gerannt sind, wird dezent übergangen. Frei nach dem Motto jeder ist seines Glückes Schmied sind die einfältigen Kapitalanleger natürlich auch für ihren Ruin verantwortlich. Aktien und Fondsverkäufer sind da fein raus. Die Hauptsache, Kasse und Provisionen haben gestimmt.

Niemand wird ernsthaft behaupten können, die dazu berufenen Institutionen wären ernsthaft ihrer Verantwortung als umsichtige Berater gerecht geworden. Denn: die Aktien und Fondsanteile liegen ja nicht im Supermarktregal herum. Ein paar Handgriffe fallen schon an bis ein „Wertpapier“ im Depot der Anleger liegt. Diese Depots haben es dann in mehrfacher Hinsicht in sich. Erstens verschwindet darin etwas, was die Kunden noch nie zu Gesicht bekommen haben und in der Regel auch nie sehen werden. Was sie gelegentlich sehen, ist der Minusbetrag auf Ihrem Girokonto wenn die Depotgebühren abgebucht werden. Zweitens bleiben die ständigen Wertveränderungen ihrer unsichtbaren Anschaffungen über weite Zeiträume unsichtbar und der Kontrolle entzogen.

Auch Geldanlagen sind verderbliches Gut. Man sollte sich von Ihnen trennen, wenn sie schlecht werden. Die Depotbank lagert nur und betrachtet es keineswegs als ihre Aufgabe, was der rechtschaffene Mensch vielleicht erwartet: einen Hinweis auf den schlechten Zustand der eingelagerten Ware. Wenn die braven Anleger aus der Zeitung oder dem Fernsehen erfahren, dass die Telekomaktie in den Untergrund abgetaucht, der DAX auf scheinbar unaufhaltsamer Talfahrt unterwegs ist und der Superrendite- Immobilienfonds vor der Pleite steht, kommen die Magenbeschwerden zu spät. Wehe dem, der gerade dann flüssige Mittel braucht. Der Schaden ist irreparabel.

Den Koryphäen der Geldbranche passiert da weniger. Als institutionelle Anleger werden Sie hofiert und gelegentlich auch gefürchtet. Die haben sich durch Geschäfte abgesichert, von denen der kleine „Privatanleger“ nicht die geringste Ahnung hat. An fallenden Kursen kann sogar verdient werden. Zudem sind die hoffnungsfrohen privaten Anteilseigner an Aktiengesellschaften ja mit der Beruhigungspille des Börsenaltmeisters André Kostolany versorgt worden: man müsse die Aktien nur sorgfältig auswählen, dann Schlaftabletten nehmen, nach langer Zeit wieder aufwachen und sich an seinen Gewinnen erfreuen. Nur ist der Meister 1999 in Paris verstorben, weswegen uns bedauerlicherweise keine Lebenshilfen mehr für die neuere Zeit zur Verfügung stehen. Zudem ist fraglich, ob er sich anno 2000 so ruhig zum Schlafen niedergelegt hätte oder heute noch ebenso ruhig schlafen würde wie zu seiner Glanzzeit.

Diese Langzeitfalle ist eines der größten Übel für private Anleger. Einen langen Anlagehorizont, so nennen es die eingefleischten Experten, brauche man bei der Investition in Aktien. Wie wahr. Dieser lange Anlagehorizont nutzt vor allem dem Heer derjenigen Vermögensberater, Analysten, Börsenbriefherausgeber, Ökonomen, Manager und Verkäufern von Wertpapieren, die sich ständig irren. Da passt es dann wunderbar, dass die Zeit die Wunden heilt. Wenn man nicht gerade auf die größten Nieten gesetzt hat folgt auf eine Talfahrt der Kurse wieder ein Anstieg. Wurde brav diversifiziert, also nicht alles auf einen lahmen Gaul gesetzt, gleicht ein Renner die Flasche im Depot wieder aus.
Man ist mit einem blauen Auge davon gekommen und freut sich riesig, dass trotz aller Rückschläge und Widrigkeiten nach langen Jahren eine Rendite herausgekommen ist, die wenigstens über der Verzinsung des Sparbuches liegt.

Mit umsichtigen Beratern oder Lehrern könnten wir uns aber möglicherweise in der gleichen Zeit über eine Verdoppelung unseres Kapitals freuen.
Schon die Investition in den DAX hätte uns, wie wir sehen haben, allein im Jahr 2006 eine Rendite von 22% beschert. Mit Know-how und Disziplin beim Aussparen oder Absichern von Kursrückschlägen wären 100% Rendite alles andere als eine Utopie gewesen.

Das Riesenproblem ist, dass niemand die Zukunft voraussagen kann. Deswegen wird beim Geschäft mit dem Geld und beim Zugriff auf unseren Geldbeutel auch immer und in größter Ausführlichkeit die Vergangenheit bemüht. Was wird da nicht alles in die Prospekte gedruckt, in Kurven und Linien festgehalten und analysiert. 60%, 300%, 600%, 1000% Gewinn für diejenigen die in der Vergangenheit, vor 3, 5, 10 Jahren diesen oder jenen heißen Tipp befolgt hätten, das Papier XY zu kaufen. Für unser Leben mag ein analytisch kritischer Rückblick tatsächlich hilfreich sein. Die Zukunft aber beginnt jeden Tag neu und die Vergangenheit ist Schnee von gestern. Deshalb muss sich jeder von seiner ganz persönlichen Ausgangslage so autonom wie nur möglich auch um seine Geldangelegenheiten kümmern. Andere wollen zwar auch nur unser Bestes. Das aber ist lediglich unser Geld.

Es mag widersprüchlich klingen. Wir müssen so viel wie möglich lernen und können im Grunde nie über genug Informationen verfügen. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch vor Informationen schützen, weil die unkontrollierte Informationsflut schnell zur Desinformation werden kann.

(*)  DAI-Pressemitteilung vom 16.01.2007

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